Geschichte
Anfänge und erste Blüte
Die Wiener Mathematische Schule
Im europäischen Frühmittelalter kam es zum Stillstand der Naturwissenschaft, während im arabischen Raum große Fortschritte auf den Gebieten der Mathematik und Astronomie erzielt werden konnten. Erst die Gründung der neuen Universitäten (in Wien 1365) ermöglichte ein Nachziehen des Abendlandes.
Eine erste Blüte erlebte die Astronomie in Österreich durch das Dreigestirn: Johannes von Gmunden, Georg Aunpeckh von Peuerbach und Johannes Müller von Königsberg, genannt Regiomontanus. Johannes von Gmunden (1385-1442), Domherr zu St. Stephan, beschäftigte sich mit Planetenbeobachtungen, Instrumentenentwicklung, sowie der Kalenderkunde. Sein Nachfolger Peuerbach (1423-1461) kam durch Reisen nach Italien in Kontakt mit Gelehrten der Renaissance, die insbesondere nach dem Fall von Konstantinopel (1453) mit antiken Texten und Kenntnissen nach Italien gekommen waren. Er führte so zum Beispiel die Verwendung der Winkelfunktionen im Abendland ein. Sein früher Tod verhinderte die Vollendung vieler seiner Vorhaben wie der Übersetzung des Almagest. Manches sollte sein hochbegabter Schüler Regiomontanus (1436-1476) zu Ende führen. Zu seinen Hauptarbeitsbereichen zählten Wetterkunde, Übersetzungen klassischer Werke, Kalenderkunde und alle anderen Disziplinen der mathematischen Astronomie. Eines seiner Werke, die 1474 erschienenen Ephemeriden, schrieb Weltgeschichte, als Columbus es auf seinen Entdeckungsfahrten zur Navigation verwendete.
Von links nach rechts:
Die Universität Wien wurde 1365 gegründet (GIF 233 kB).
Mittelalterliche Ansicht Wiens mit dem Stephansdom (GIF 119 kB).
Johannes Müller von Königsberg ("Regiomontanus", 1436-1476) (GIF 101 kB).
Finsternistafeln von Regiomontanus (zeitgenössischer Nachdruck) (GIF 76 kB)
Die Copernicanische Wende
Was Regiomontanus vorausahnte, aber nicht vollenden konnte, gelang Nicolaus Copernicus (1473-1543) und dem auch in Österreich tätigen Johannes Kepler (1571-1630). Sie zeigten die Gültigkeit des heliozentrischen Weltbildes durch Theorie und Beobachtungsdaten und schufen so die Basis für die weitere moderne astronomische Forschung. Ihre wichtigsten Werke sind De revolutionibus orbium coelestium bzw. Astronomia nova.
Von links nach rechts:
"De revolutionibus orbium coelestium" von Copernicus, Titelseite (GIF 133 kB).
Schematische Darstellung des Sonnensystems nach Copernicus (aus "De revolutionibus orbium coelestium") (GIF 110 kB).
"Astronomia nova" von Johannes Kepler, Titelseite (GIF 90 kB).
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Erste Sternwarten in Österreich
Marinonis Privatsternwarte
Obwohl Astronomie schon seit dem Mittelalter an der Wiener Universität gelehrt wurde, doch gab es selbst im Wien des frühen 18. Jahrhunderts noch kein eigenes Institut mit einer permanenten Sternwarte. Erst der aus Udine gebürtige kaiserliche Mathematiker Johann Jakob de Marinoni (1676-1755) errichtete 1730 auf seinem Privathaus an der Mölkerbastei die erste Sternwarte Wiens.
Von links nach rechts:
Wien zu Beginn des 18. Jahrhunderts (GIF 86 kB).
Der begeisterte Beobachter Johann Jakob de Marinoni bei seiner recht unbequemen Arbeit (GIF 184 kB).
Titelseite der ausführlichen Beschreibung von Marinonis Privatsternwarte (GIF 157 kB).
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Der Astronomische Turm der Jesuiten
Nur wenige Jahre danach erbaute der Jesuitenorden 1733 ebenfalls eine eigene Sternwarte an der Ecke Postgasse/Bäckerstraße in Form eines 45 m hohen Turmes. Der regen Sammlertätigkeit der Jesuiten verdankt die heutige Universitäts-Sternwarte einen Großteil ihrer wertvollsten Bücher.
Wiener Innenstadt, 18. Jahrhundert, mit dem Astronomischen Turm im Hintergrund (GIF 183 kB).
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Die erste Universitäts-Sternwarte
Im Jänner 1755, als der Bau der unter Maria Theresia errichteten Universität am heutigen Ignaz-Seipel-Platz (nun Akademie der Wissenschaften) fast vollendet war, starb Marinoni. Seine Instrumente fielen an das Herrscherhaus, und Maria Theresia schenkte sie der Universität. Damit war der Anlass zum Bau einer eigenen Sternwarte am Dach der Aula der Universität gegeben, deren Planung die Jesuiten übernahmen.
Aus den Fenstern des Turmes der Sternwarte wurden Positionsmessungen von Sternen mit Fernrohren und Sextanten durchgeführt. Dafür waren auch möglichst genau gehende Pendeluhren nötig.
Links: Das alte Universitätsgebäude beherbergt heute die Akademie der Wissenschaften (GIF 209 kB).
Rechts: Innenansicht des Sternwarteturms der alten Universität (GIF 93 kB).
Bedeutende Forschungsergebnisse
Bereits der erste Sternwartedirektor, der Jesuit Maximilian Hell (1721 - 1792), genoss hohes internationales Ansehen, so insbesondere durch die Herausgabe von astronomischen Jahrbüchern (Ephemerides Astronomicae 1757 - 1806), schon wesentlich früher als etwa die bedeutenden Sternwarten in Greenwich oder Berlin. Darin fanden sich unter anderem genaueste Positionen von Sonne, Mond, Planeten und den hellsten Sternen. Weiters arbeitete er auf dem Gebiet der geografischen Längenbestimmung.
Bedeutendstes Ereignis seiner Schaffenszeit war aber die Beobachtung eines seltenen Venusdurchganges vor der Sonne von der Eismeerinsel Wardoe aus. Er lieferte damit in Verbindung mit anderen Beobachtungen die für viele Jahrzehnte genaueste Sonnenentfernung.
Sein Nachfolger Franz de Paula Triesnecker (1745 - 1817) beschäftigte sich vor allem mit höherer Geodäsie. Die beiden ersten Sternwartedirektoren, Hell und Triesnecker, sind durch zentral gelegene, nach ihnen benannte Mondkrater verewigt.
Die Holzkonstruktion auf dem Dach der Universität stellte sich alsbald als zu leicht und instabil für den Sternwartebetrieb heraus. Insbesondere Erschütterungen durch Pferdefuhrwerke und Windlast schränkten die astronomische Messgenauigkeit über Gebühr ein. So tauchte schon im frühen 19. Jahrhundert erstmals der Wunsch nach einer Verlegung der Sternwarte an einen günstigeren Ort auf.
Von links nach rechts:
Maximilian Hell (1721 - 1792), in jesuitischer Lappentracht (GIF 136 kB).
Titelseite des Expeditionsberichts zum Venustransit (M. Hell) (GIF 120 kB).
Impression der Venustransit-Expedition: Der letzte Hafen vor dem Nordkap (GIF 113 kB).
Triesnecker-Krater (25 Kilometer Durchmesser) mit den über 200 Kilometer langen Triesnecker-Rillen (GIF 98 kB).
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Die heutige Sternwarte
Ein neuer Versuch
Eine neue Ära begann 1819, als Johann Josef von Littrow (1781 - 1840) Professor für höhere Mathematik und Astronomie an der Universität Wien wurde. Er bemühte sich intensiv - wenngleich ohne Erfolg - um eine Verlegung der Sternwarte an den Stadtrand. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Carl Ludwig von Littrow (1811 - 1877) die provisorische Leitung der Sternwarte. Gleich in seinem ersten Direktionsjahr konnte er mit einer astronomischen Sensation aufwarten: Die weite Kreise der Bevölkerung in ihren Bann ziehende totale Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842 war die perfekte Werbung für neue Investitionen in die Astronomie. 1872 gelang es einen Bauplatz für die neue Sternwarte (5,5 ha) auf einem Hügel der Türkenschanze zu erwerben.
Links: Totale Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842 (GIF 209 kB).
Rechts: Bauplatz für das neue Sternwartegebäude 1872 (GIF 93 kB).
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Die größte Sternwarte der Welt
Die Grundsteinlegung erfolgte am 19. Juli 1874; Architekten des großzügigen Neubaus waren Ferdinand Fellner und Hermann Helmer, beide Spezialisten im Theaterbau. Das Gebäude wurde als Kombination von Wohn- und Beobachtungstrakt in Kreuzform errichtet und weist selbst für heutige Verhältnisse ungewöhnlich große Ausmaße auf: 101 m Länge und 73 m Breite (der Stephansdom misst 108 x 70,5 m). Mit der Aufstellung des großen Refraktors (68 cm Öffnung bei 10,5 m Brennweite), des damals größten Linsenfernrohrs der Welt, und ihrer sonstigen Ausstattung war die neue Sternwarte auch international an vorderster Stelle. Edmund Weiss (1837 - 1917) der als Direktor nachfolgte, war es, der am 5. Juni 1883 in Gegenwart von Franz Joseph I. die Sternwarte feierlich ihrer Bestimmung übergeben konnte.
Die hervorragenden Instrumente erlaubten in den folgenden Jahren eine Vielzahl von bemerkenswerten Arbeiten auf den Gebieten der Doppelsterne, Kleinplaneten und Kometen. Sehr bald lag die Sternwarte aber wieder im nunmehr gas- bzw. später elektrisch beleuchteten Stadtgebiet, da die Umgebung von betuchten Wienern als Wohngegend entdeckt wurde. Pläne, schon Anfang des 20. Jahrhunderts eine noch größere Sternwarte am Schneeberg zu errichten, scheiterten am Untergang der Donaumonarchie. Eine lange Zeit der beschränkten Mittel begann. Obwohl durch die Kriege nicht beschädigt konnten oft nur die nötigsten Ressourcen zum Weiterbetrieb der Sternwarte beschafft werden: An eine Modernisierung war nicht zu denken.
Von links nach rechts:
Grundriss der neuen Sternwarte (GIF 91 kB).
Ansicht der Sternwarte, Zeichnung von J.J. Kirchner, 1878 (GIF 187 kB).
Ansicht der Sternwarte, Ende 19. Jahrhundert (GIF 162 kB).
Gründungsurkunde der neuen Sternwarte (GIF 227 kB).
Zum Zeitpunkt der Errichtung (1883) war der 68-cm-Refraktor das größte Linsenfernrohr der Welt (GIF 79 kB).
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Modern Times
Erst das Wirtschaftswunder ermöglichte neue Investitionen in die österreichische Astronomie. Schritt für Schritt wurde sowohl die personelle als auch die instrumentelle Situation verbessert. Sogar Radioastronomie wurde in den 60er Jahren von den Dächern der Universitätssternwarte betrieben. Höhepunkt dieser zweiten Gründerzeit war die Errichtung der Außenstation am Mitterschöpfl in NÖ, dem im Jahr 1969 eröffneten Leopold Figl-Observatorium für Astrophysik. Es stehen dort heute zwei moderne 1,52-m- bzw. 60-cm-Spiegelteleskope mit zeitgemäßen Instrumenten. Fachlich kam es seit damals zu einer verstärkten Hinwendung zur Astrophysik, die die vorher bevorzugt betriebene klassische Astronomie nach und nach ablöste. Konsequenz dieser Entwicklung ist auch der Betrieb zweier automatischer, photometrischer Teleskope
in Arizona seit 1996.
Von links nach rechts:
Radioteleskop auf dem Dach der Sternwarte (GIF 99 kB).
Leopold-Figl-Observatorium für Astrophysik (GIF 112 kB).
Innenansicht des Leopold-Figl-Observatoriums (GIF 99 kB).
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Internationalisierung
Weiters folgte eine verstärkte Internationalisierung der astronomischen Forschung. Aufenthalte an ausländischen Observatorien und Instituten wie der Europäischen Südsternwarte
- der Österreich 2008 beitrat - gehören heute ebenso selbstverständlich zum Alltag wie die Nutzung und sogar Baubeteiligung an Weltraumfernrohren wie dem Infrarotteleskop Herschel
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Links: Europäische Südsternwarte (GIF 54 kB).
Rechts: Das Infrarotteleskop Herschel
der European Space Agency
(GIF 87 kB).
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Vorträge am Institut
Marcella Carollo (ETH Zürich)
Which environments triggers galaxy evolution?Lisa Kaltenegger (MPIA Heidelberg)
Exploring the atmospheres of habitable planetsThorsten Lisker (Heidelberg)
Formation of early-type dwarf galaxiesAndrea Chiavassa (Brüssel)
3D Hydrodynamical Simulations of Cool StarsPierre Cox (Grenoble)
Evolution of Galaxies with IRAM: Present and Future







