In memoriam Hans Michael Maitzen (1943 - 2026)

21.07.2026

Die Universität Wien trauert um Univ.-Prof. Dr. Hans Michael Maitzen, einen international hoch angesehenen Astronomen, engagierten Hochschullehrer und prägenden Gestalter der österreichischen Astrophysik.

Mit seinem Tod verliert die Universität einen Wissenschaftler von außergewöhnlicher fachlicher Exzellenz, dessen Wirken weit über die Grenzen Österreichs hinaus Anerkennung fand und dessen Einsatz die Entwicklung der Astronomie in unserem Land nachhaltig beeinflusst hat.

Hans Michael Maitzen widmete sein wissenschaftliches Leben der Erforschung der Sterne. Internationale Bekanntheit erlangte er insbesondere durch seine Arbeiten über chemisch pekuliäre Sterne sowie durch die Entwicklung und Anwendung präziser photometrischer Methoden zu deren Identifikation und Untersuchung. Seine Forschung verband theoretische Fragestellungen mit innovativer Beobachtungsastronomie und trug wesentlich zum Verständnis stellarer Eigenschaften und ihrer Entwicklung bei. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen sowie seine internationalen Kooperationen machten ihn zu einer der prägenden Persönlichkeiten der europäischen Astrophysik.

Als Hochschullehrer an der Universität Wien begeisterte Hans Michael Maitzen Generationen von Studierenden für die Astronomie. Er verband wissenschaftliche Exaktheit mit großer Offenheit, förderte eigenständiges Denken und begleitete viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Geduld, Vertrauen und persönlichem Engagement auf ihrem akademischen Weg. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzten ihn gleichermaßen als verlässlichen Partner, klugen Ratgeber und integre Persönlichkeit. Die Qualität und Weiterentwicklung des Astronomiestudiums war im ein großes Bedürfnis. Als langjähriger Vorsitzender der Studienkonferenz hatte er darauf prägenden Einfluss.

Über seine wissenschaftlichen Leistungen hinaus hat sich Hans Michael Maitzen mit außerordentlichem Engagement für die Zukunft der österreichischen Astronomie eingesetzt. Durch seine Tätigkeit im Ausland erkannte er früh die Bedeutung internationaler Großforschungseinrichtungen für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wissenschaft. Er gehörte zu den beharrlichen und überzeugendsten Fürsprechern eines österreichischen Beitritts zur Europäischen Südsternwarte (ESO) und trug durch seinen unermüdlichen Einsatz in wissenschaftlichen Gremien, in der Beratung wissenschaftspolitischer Entscheidungsträger und im internationalen Austausch maßgeblich dazu bei, die Voraussetzungen für diesen Schritt zu schaffen. Der Beitritt Österreichs zur ESO eröffnete den österreichischen Astronominnen und Astronomen den Zugang zu den leistungsfähigsten bodengebundenen Teleskopen der Welt und stärkte den Forschungsstandort Österreich nachhaltig. Dieses Vermächtnis wird weit über seine eigene wissenschaftliche Laufbahn hinaus wirken.

Auch war ihm die Nutzung des Leopold Figl Observatoriums für Astrophysik in Niederösterreich als Stätte der Forschung und Ausbildung ein großes Anliegen.

Neben seiner Tätigkeit in astronomischer Forschung und Lehre machte er sich auch als Vermittler und Fürsprecher der Sprache Esperanto einen Namen und übersetzte grundlegende Werke der Astronomie.

Hans Michael Maitzen verband wissenschaftliche Exzellenz mit Bescheidenheit, menschlicher Wärme und großer Hilfsbereitschaft. Seine Begeisterung für die Astronomie war ansteckend, seine wissenschaftliche Neugier ungebrochen und sein Interesse an den Menschen, mit denen er arbeitete, aufrichtig. Er verstand Wissenschaft stets als gemeinschaftliches Unternehmen, das vom offenen Austausch und von gegenseitigem Respekt lebt.

Die Universität Wien verliert mit Hans Michael Maitzen einen herausragenden Wissenschaftler und Lehrer sowie einen unermüdlichen Förderer der österreichischen Astronomie. Sein wissenschaftliches Werk, sein Engagement für die internationale Vernetzung der Forschung und sein Einsatz für kommende Generationen werden in bleibender Erinnerung bleiben.

Die Universität Wien wird Univ.-Prof. Dr. Hans Michael Maitzen ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihm persönlich und wissenschaftlich verbunden waren.

 

Franz Kerschbaum, Josef Hron

Univ.-Prof. Dr. Hans Michael Maitzen (© Stella Maitzen)