Auf den Spuren des Mars: Erforschung marsähnlicher Umgebungen in Spanien
Von Manuel Gruber

V.l.n.r. stehend: Sebastian Bosnjak, Paul Frühwirth, Manuel Gruber, Patrick Gregor, Fabian Krautgasser, Prof. David Carlos Fernández Remolar, Dr. Angélica Anglés, Hamilton Muirhead
v.l.n.r. knieend: Nefeli-Lydia Zarkada, Daniela Ilieva, Anita Häfner (eigenes Bild)
Was haben Südspanien und der Mars gemeinsam? Mehr als man vielleicht denkt. Ich bin Manuel Gruber, Masterstudent am Institut für Astrophysik. Im Februar 2025 reisten wir im Rahmen einer Forschungsexkursion der Universität Wien unter der Leitung von Professor David Carlos Fernández Remolar nach Córdoba und Rio Tinto, um extreme Lebensräume auf der Erde zu untersuchen. Unterstützt wurden wir dabei von Dr. Angélica Anglés und ihrem Ehemann Hamilton Muirhead von der ESA Madrid. Ziel war es, mögliche Analogien zum Mars zu erforschen und besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen Leben außerhalb der Erde existieren könnte.
Zu Beginn beschäftigten wir uns mit geologischem Material und der Entstehung der Berge in dieser Region. Das Hauptziel der Exkursion bestand darin, ein bestimmtes Mineral zu finden, das bereits auf dem Mars entdeckt wurde, und dieses mit marsähnlichem Meteoritenmaterial zu vergleichen, das auf der Erde gefunden wurde.
Unsere Erkundung begann in Córdoba. Wir verbrachten einige Tage dort und Professor Remolar vermittelte uns zunächst historische Hintergründe sowie grundlegendes Wissen über geologisches Material. Während unseres Aufenthalts in Córdoba lernten wir vor allem, wie sich die Gebirgslandschaften gebildet haben und dass sich diese Regionen vor Millionen von Jahren unter Wasser befanden. Das war auch der Grund, weshalb wir kleine schwammartige Fossilien hoch in den Bergen fanden und nicht in der Nähe der Stadt. Diese Fossilien sind ungefähr 500 Millionen Jahre alt und damit sogar älter als die Dinosaurier! Nach diesen ersten spannenden Entdeckungen wurde die Exkursion immer interessanter.
Anschließend reisten wir nach Rio Tinto, wo wir in einer Unterkunft untergebracht waren, in der einige Jahre zuvor bereits die NASA gewesen war. Generell besuchten wir dort Forschungsgebiete, in denen die NASA damals Untersuchungen durchgeführt hatte. In den darauffolgenden Tagen fuhren wir zu verschiedenen Orten rund um Rio Tinto, um ein Mineral namens „Jarosit“ zu finden. Aber was macht Jarosit eigentlich so interessant und warum sucht man danach ausgerechnet dort?
Jarosit ist ein häufig vorkommendes sekundäres Eisen-Kalium-Sulfat-Mineral. Es ist für seine hellgelbe bis bräunliche Farbe bekannt und entsteht typischerweise durch die Verwitterung von Pyrit in sauren Umgebungen. Da seine Entstehung mit Wasser und sauren Bedingungen verbunden ist, spielt Jarosit – insbesondere nachdem es auf dem Mars entdeckt wurde – eine wichtige Rolle in der Astrobiologie. Rio Tinto wurde dafür ausgewählt, weil dort eine besonders extreme Umgebung herrscht. Der etwa 100 km lange Fluss in Andalusien ist für seine auffällige rote Farbe und seine hohe Säure (pH ~2) bekannt. Diese Bedingungen entstanden durch jahrtausendelangen Kupfer- und Pyritabbau in der Sierra Morena. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Eigenschaften wird Rio Tinto häufig als „Mars auf der Erde“ bezeichnet. Wie bereits erwähnt, nutzen NASA und ESA diese Region, um nach Hinweisen auf mögliches außerirdisches Leben zu suchen – genau wie wir während unserer Exkursion.
Das Faszinierendste für mich als Student war nicht nur die Teilnahme an dieser außergewöhnlichen Exkursion, sondern auch die Möglichkeit, an denselben Orten zu arbeiten und ähnliche Untersuchungen durchzuführen wie die NASA einige Jahre zuvor. Wir konnten beeindruckende Dinge beobachten, darunter einen blutroten Fluss und sogar rot gefärbte Gewässer, und fanden außerdem interessante geologische Materialien. Dr. Angélica Anglés entnahm zahlreiche Proben des roten Wassers sowie des gefundenen Materials, um diese später im Labor genauer zu analysieren. Ziel war es herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Jarosit handelte. Das Mineral war nicht leicht zu finden, könnte aber eine große Bedeutung für ihre laufende Forschung an der ESA Madrid zum Thema Leben auf anderen Planeten haben.
Insgesamt war es eine sehr spannende und beeindruckende Forschungsexkursion, bei der ich viel über geologische Materialien, Astrobiologie und aktuelle Forschung zur Entstehung und möglichen Existenz von Leben auf anderen Planeten gelernt habe. Ich würde jedem Studierenden empfehlen, eine solche Gelegenheit zu nutzen, wenn sie sich ergibt. Es ist eine Erfahrung, die man nicht vergisst.
