Österreich und das größte Auge der Welt am Himmel

Am 21. September 2021 fand am Institut für Astrophysik in Wien ein Treffen statt, um die Fortschritte des Extremely Large Telescope (ELT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) zu diskutieren, an dem verschiedene österreichische Institutionen beteiligt sind. Zu den Teilnehmern des Treffens gehörten Professor Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Professor Heinz Engl, Rektor der Universität Wien, Dr. Daniel Weselka vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Professor Xavier Barcons, Generaldirektor der ESO, sowie Vertreter der Universität Wien, der Johannes Kepler Universität Linz und der Universität Innsbruck. Ebenfalls anwesend waren Dr. Lidia Tasca, die Leiterin von MOSAIC, einem Multi-Objekt-Spektrographen, und Dr. Ric Davies, der Leiter von MICADO, einer adaptiven optischen Kamera für tiefe Bilder und einem ELT-Erstlichtinstrument.

 

 

Eine künstlerische Darstellung des ELT. Kredit: Swinburne Astronomy Productions/ESO

Das ELT ist ein revolutionäres bodengestütztes Teleskop mit einem Spiegel von 39 Metern Durchmesser zur Beobachtung des Universums im infraroten und optischen Licht. Österreich spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Software und Instrumenten für dieses Teleskop durch das A*-Konsortium, das die Johannes Kepler Universität Linz, die Universität Innsbruck, die Universität Wien und das RICAM-Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung umfasst.

 

Rektor Engl gab einen Überblick über den Beitritt Österreichs zur ESO und betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen österreichischen Astronom*innen und österreichischen Mathematik- und Datenforscher*innen beim Bau der Großteleskope der Zukunft. Professor Zeilinger teilte seine "Hoffnung, dass Österreich das größte Teleskop der Welt nutzen wird". 

 

Professor Jean Robert Tyran, Vizerektor für Forschung und internationale Angelegenheiten der Universität Wien, betonte, dass "kein einzelnes Land das leisten kann, was die ESO in Zusammenarbeit tut". Genauso wichtig ist die Interdisziplinarität, wie die österreichische Arbeit für das ELT.

 

Dr. Daniel Weselka berichtete über die Rolle Österreichs in der ESO und sagte: "Wir freuen uns auf das erste first-light (das erste Mal, dass ein Teleskop etwas beobachtet) und auf das weitere Gedeihen der astronomischen Forschung in Österreich".

 

Den ersten Teil des Treffens beendete Professor Barcons mit einem allgemeinen Ausblick auf die ESO. Er würdigte die zentrale Rolle, die österreichische Institutionen bei der Entwicklung von Instrumenten und Software für das ELT spielen, die das Herzstück eines solchen Teleskops sind. 

 

 

Das 39 Meter hohe "Auge am Himmel" des ELT wird einige der klarsten Bilder aufnehmen, die je gemacht wurden, und zwar mit einer 16-mal höheren Präzision als das Hubble-Weltraumteleskop. Der Bau des ELT auf dem Cerro Armazones in Chile, 3046 m über dem Meeresspiegel, hat bereits begonnen. Nach seiner Fertigstellung wird das ELT zahllose Geheimnisse des Nachthimmels der südlichen Hemisphäre lüften, entfernte Exoplaneten und Nebel beobachten, in das Herz unserer eigenen Milchstraße blicken und bis zu den ersten Galaxien unseres Universums vordringen. Diese 3D-Darstellung des Teleskops zeigt, wie es in der Nacht mit seinen Laser-Leitsterneinheiten aussehen wird. Kredit: ESO

 

Professor João Alves von der Universität Wien gab einen Einblick in einige der wissenschaftlichen Fragen, die mit dem ELT untersucht werden sollen. Er betonte den Aufschwung, den die Astronomie in Österreich in den letzten zehn Jahren erfahren hat, und argumentierte, dass "die ESO zu einem wichtigen Motor für die wissenschaftliche Kultur und Technologie in Österreich wird".

 

Professor Ronny Ramlau von der Johannes Kepler Universität Linz erläuterte die Herausforderungen und Bemühungen im Zusammenhang mit dem adaptiven Optiksystem des Teleskops. Die entwickelten Algorithmen haben sich als nützlich für die Augenheilkunde erwiesen und zeigen, wie Grundlagenforschung zu angewandten Lösungen führen kann. 

 

Professor Norbert Przybilla von der Universität Innsbruck stellte einige der wissenschaftlichen Aspekte vor, die mit Hilfe des ELT untersucht werden sollen: Die Frage wie und wo entstehen Elemente in Galaxien, das Verbessern von Methoden zur Identifizierung von Schwarzen Löchern mittlerer Masse sowie das Auffinden und Charakterisieren von Exoplaneten erleichtern.

 

Schließlich betonte Professor Manuel Güdel von der Universität Wien die Bedeutung von Software-Algorithmen, um die mit dem ELT gewonnenen Daten zu nutzen und den Astronom*innen die Erforschung eines breiten Spektrums von Themen zu ermöglichen: von den ersten Galaxien des Universums bis zu den Atmosphären von Planeten, die andere Sterne umkreisen.

 

Das first light des ELT ist für Ende 2027 geplant. Die weltweite wissenschaftliche Gemeinschaft wartet auf dieses Ereignis, das unser Verständnis des Universums revolutionieren wird. 

 

Simuliertes Bild, das zeigt, wie das ELT das Hauptgebäude der Universität Wien sehen würde, wenn es sich auf der Oberfläche des Mondes befände. Das ELT wird fünfzehnmal mehr Licht sammeln als die derzeit besten optischen Teleskope und die daraus resultierenden Bilder werden fünfzehnmal schärfer sein als die des Hubble-Weltraumteleskops. Kredit: Universität Wien